16.12.2020

Supply Chains 2021: 5 Trends, die das neue Jahr prägen werden

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Die nicht endenden Überraschungen haben 2020 zum Jahr der größten Herausforderungen im globalen Handel und Supply-Chain-Management gemacht. Praktisch jeder Bereich der Branche wurde von Disruptionen erschüttert. Das Jahr begann mit Unsicherheiten rund um die IMO 2020, Handelskriegen und dem Brexit; mit der COVID-19-Welle kam dann eine Belastung, die niemand vorhergesehen hatte.

2020 neigt sich dem Ende zu und die große Lektion, die wir gelernt haben, ist, dass Vorhersagen - oder zumindest die Entwicklung plausibler Szenarien - für den Erfolg in unbeständigen Zeiten von größter Bedeutung sind. Im Folgenden bietet Flexport fünf Prognosen, die dabei helfen, Perspektiven für ein hoffentlich einfacheres Jahr 2021 zu entwickeln.

1. Pandemie und Ökonomie

Seit dem Frühjahr hat COVID-19 die Supply-Chain-Branche in so gut wie jedem Aspekt durcheinandergewirbelt. Bei vielen stationären Händlern kam es infolge der Pandemie zu Schließungen, Wiedereröffnungen und erneuten Schließungen – so wandten sich Verbraucher vermehrt dem E-Commerce zu. Da pandemie-bezogene Faktoren zu einer um bis zu 5 Jahre beschleunigten Verlagerung hin zum E-Commerce führten, kämpfen ohnehin schon beeintraechtigte Einzelhandelsunternehmen angesichts heftiger neuer Distributionsanforderungen ums Überleben. Für alle, die im Bereich Logistik tätig sind, folgte eine Herausforderung auf die nächste.

Als die Pandemie über die verschiedenen Länder hinweg fegte, hoffte man zunächst auf eine schnelle Erholung, die die schädlichen Auswirkungen wettmachen würde. Die Pandemie erwies sich jedoch als beständig, und führende Unternehmen waren mit der unbarmherzigen Realität konfrontiert: Nicht alle Unternehmen würden es schaffen. Ein Konjunkturpaket im Umfang von 3 Billionen US-Dollar war zwar hilfreich, wirkte aber nur kurzzeitig. Sowohl am Gesundheitswesen als auch an den Unternehmen ist die Pandemie nicht spurlos vorübergezogen.

„Die langfristigen Auswirkungen dieses Szenarios sind immer noch nicht abzusehen, aber die Möglichkeit einer V-förmigen Erholung besteht nun längst nicht mehr“, stellt Flexport-Chefökonom Phil Levy fest. „Die mit Volatilität verbundene W-förmige Erholung ist inzwischen wahrscheinlicher, insbesondere vor dem Hintergrund des Wiedereinstiegs der COVID-Infektionsraten. Da zusätzliche Anreize fehlen, geben die Verbraucher ihr Geld nur zögerlich aus.“

Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen. Aktuell wichtige Fragen drehen sich um das Verbraucherverhalten und die wirtschaftliche Tragfähigkeit eines sich dabei möglicherweise herausbildenden Musters:

  • Werden die Konsumausgaben steigen oder sinken? Zuversicht ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Ein neues Konjunkturpaket oder auch die breite Verfügbarkeit von Impfstoffen werden wahrscheinlich ausschlaggebende Faktoren sein.
  • Bei welchen Produktkategorien wird die Nachfrage steigen, bei welchen wird ein Rückgang zu verzeichnen sein? Als Ersatz für Restaurantbesuche wurde beispielsweise viel in Outdoor-Ausrüstung investiert, aber was wird der nächste Trend sein?
  • Wie werden sich die Trends verlagern? Von welchen sich entwickelnden Verbrauchergewohnheiten sind dauerhafte Auswirkungen auf Unternehmen zu erwarten?

Prognose: Unternehmen werden sich um gut Geschäftsbeziehungen zu Lieferanten bemühen und um außergewöhnlich stark begrenzten Frachtraum bei Carriern konkurrieren müssen. Auf einem enger werdenden Markt, speziell bei schwer getroffenen Branchen wie Mode, wird es entscheidend sein, kostengünstige Möglichkeiten für Herstellung, Transport und Lagerung zu finden.

Notfallpläne, Redundanzen und solide Partnerschaften werden an Bedeutung weiter zunehmen. Sollte ein Lieferant die Anforderungen nicht erfüllen können, kann ein anderer die Supply Chain vor dem Stillstand retten, sodass keine Verkaufschancen verpasst werden. Besondere Bedeutung kommt dabei der Geschwindigkeit, mit der hier gehandelt und reagiert wird. Nach der COVID-Pandemie werden in den Bereichen Logistik und Transport diejenigen Unternehmen zu den Gewinnern gehören, die Folgendes schaffen:

  • Erfüllen der Kundennachfrage auch in einer Zeit der schnellen Nachfrageveränderungen
  • Neu Erfinden von Geschäftsmodellen und -Konzepten, einschließlich kreativer E-Commerce-Strategien
  • Flexibles Überwinden von Herausforderung um sich so Wettbewerbsvorteile zu sichern

2. Zölle und Handel

Auch nach zwei Jahren Handelskrieg zwischen den USA und China, gibt es immer noch immer wieder neue Zölle, Vergeltungsmaßnahmenund Androhungen von Vergeltungsmaßnahmen zwischen den beiden Ländern. Das „Phase Eins“-Handelsabkommen vom Januar 2020 wurde durch COVID-19 erschüttert und die aktuellen Zahlen deuten darauf hin, dass China bis zum Amtsantritt des designierten Präsidenten Joseph Biden im Jahr 2021 die gesetzten Höchstgrenzen für US-Exporte nicht erreichen wird.

Wie der künftige Präsident Handelsabkommen mit China, der EU und anderen Handelspartner handhaben wird, bleibt abzuwarten. Unternehmen sind daher gut beraten, sich auf Veränderungen einzustellen und entsprechend zu planen.

Prognose : Die Zölle werden wahrscheinlich stabil bleiben, zumindest auf absehbare Zeit. "Es ist wahrscheinlich, das Zölle allenfalls als Gegenleistung für andere politische Vorteile aufgehoben werden, und für das Ausmaß der Aufhebung bzw. Auferlegung ist die Besetzung von Schlüsselpositionen in der Regierung maßgeblich“, meint Tom Gould, VP Global Customs bei Flexport. Unter Verweis auf die China-301-Zölle weist er darauf hin, dass die Zollgespräche vom US-Handelsbeauftragten (USTR) geführt werden, was eine Änderung in diesem Bereich unwahrscheinlich macht, bevor der Präsident einen neuen USTR ernennt und der Senat zustimmt.

Darüber hinaus könnte die Nachricht, dass die US Customs and Border Protection am 2. Dezember eine Anordnung zur Beschlagnahmung (Withhold Release Order) für Produkte aus Baumwolle aus der chinesischen Region Xinjiang erlassen hat. Vor diesem Hintergrund könnten unerwartete Zollprobleme aufkommen. Eine mögliche Folge könnte eine Zunahme der Kontrollen von Sendungen mit Baumwollwaren sein, um den Herkunftsort zu ermitteln.

3. Seefracht

Inmitten der umfassenden strategischen Neuausrichtung haben sich Verlader verschiedenen Seefrachtoptionen, wie zum Beispiel mit Schnellbooten, garantierter Lieferung und anderen Premium-Services, zugewandt, um ihre Supply Chain so agil wie möglich zu halten. In einigen Märkten mussten sie eine hohe Prämie zahlen, nur um einen leeren Container zu bekommen.

Im Jahr 2020 war der Seefrachtmarkt von Blank Sailings gekennzeichnet- vom Beginn der COVID-19-Pandemie an, über den ganzen Sommer, da man von einer geringen Nachfrage ausging.

In den meisten Jahren senken Seefracht-Carrier bei erwarteter schwacher Nachfrage die Preise, um Marktanteile zu gewinnen oder zu halten. Dieses Jahr zeigten die Carrier aber eine bemerkenswerte Disziplin beim Kapazitätsmanagement; die Verfügbarkeit sank um bis zu 40 Prozent. Überraschenderweise erholte sich die Nachfrage allerdings schnell – so entstand ein Angebot-Nachfrage-Ungleichgewicht, das zu Raten in Rekordhöhe führte. Trotz der turbulenten Bedingungen gab es in der Hauptsaison keine Anzeichen für eine Abschwächung.

"Da viele Unternehmen auf E-Commerce umgestiegen sind, um den Auswirkungen der fortgesetzten COVID-19-Lockdowns zu überstehen, ging die Hauptsaison mit Volldampf weiter“, erklärt Nerijus Poskus, VP Ocean Freight bei Flexport. „Gleichzeitig verlagerten Verbraucher ihre Ausgaben von Dienstleistungen auf Online-Shopping. Wir erwarten, dass sich dies bis ins neue Jahr hinein fortsetzt - möglicherweise sogar bis in die RFP-Saison 2021 hinein.“

Prognose: Die aktuell sehr hohen Spot-Raten werden 2021 Einfluss auf die Festpreise nehmen und die Vertragsverhandlungen deutlich beeinflussen. Insgesamt haben sich Angebot und Nachfrage zum Vorteil der Carriern verschoben.

Bei der weiterhin andauernden Containerknappheit, unter dem die Branche leitet, wird ebenfalls von einer Fortsetzung bis ins neue Jahr ausgegangen. Global betrachtet stehen der Branche ausreichend viele Container zur Verfügung. Sie befinden sich lediglich nicht an den richtigen Orten – und es dauert Monate, dieses Problem zu lösen.

Einige Unternehmen werden wahrscheinlich zusätzliche Frachtkosten direkt oder indirekt an die Kunden weitergeben; andere suchen womöglich auf der Angebotsseite nach Einsparungsmöglichkeiten.

So oder so – Kapazitätsmanagement wird wohl selbst bei einem Nachfrageeinbruch ein bedeutendes Thema bleiben, denn bei Bedarf werden Carrier das Angebot anpassen. Zudem wird der Wettbewerb auf globalen Handelsrouten zunehmen. Empfänger sollten sich somit auf einen Aufschlag, um Waren zu bewegen, einstellen– zumindest so lange, bis das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wiederhergestellt ist.

4. Luftfracht

Seit dem Aufkommen der Passagierflüge im goldenen Zeitalter der 1970er-Jahren, ist Luftfracht immer die schnellste Möglichkeit für den Warentransport gewesen. Aktuell ist Luftfracht jedoch nur dann schneller, wenn man den entsprechenden Platz reservieren kann.

In der Luftfracht sind die Kapazität noch stärker eingebrochen als in der Seefracht. Die Folge ist eine Verschlimmerung des Ungleichgewichts von Angebot und Nachfrage auf den wichtigsten Handelsrouten weltweit.

COVID-19 hat auch das Reiseverhalten deutlich verändert. Zunächst fielen Flüge aus, dann mussten ganze Flugzeugflotten am Boden bleiben. Bei (potenziellen) Reisenden kam Unsicherheit auf – würde man auch wieder zurückfliegen können? Die Nichtverfügbarkeit von Impfungen verschärfte das Problem. Da die Unternehmen einfachere Möglichkeiten zum Austausch fanden, von Homeoffice-Arbeit, Videokonferenzen und virtuellen Besprechungen, haben auch Geschäftsreisen an Bedeutung verloren. Der Weg zurück zu einer vollständigen Erholung könnte sich schwierig gestalten, da viele Unternehmen bestrebt sind, auch langfristig mit niedrigeren Reisebudgets auszukommen.

Schätzungen der IATA zufolge wird das Vor-COVID-Niveau beim Passagierverkehr frühestens 2024 wieder erreicht. Recherchen des Boston Consulting Group (BCG) Henderson Institute ergaben, dass 66 Prozent der über 300 weltweit befragten Unternehmen von einer dauerhaften Änderung ihrer Reiserichtlinien ausgehen.

Prognose: Die Luftfracht-Kapazität wird extrem knapp werden, auch wenn man die Auswirkungen der Impfstoff-Distribution außer Acht lässt. Die Gebühren werden auch 2021 denen des Jahres 2020 entsprechen, wobei ein Kostenanstieg potentiell möglich ist. Abgesehen von der Impfstoff-Distribution hängt viel davon ab, wie sich die weltweite Verbrauchernachfrage nach Flügen entwickelt. Frachtflugzeuge werden in der Luftfracht-Supply-Chain eine wichtigere Rolle spielen, da die Belly-Kapazität als Nebeneffekt der Pandemie eingeschränkt bleibt. Frachtfluggesellschaften werden die Kapazität ihrer Flotten weiter erhöhen, indem sie neue Flugzeuge schneller ausliefern lassen und existierende Personen-Flugzeuge schnellstmöglich in Frachtflugzeuge umgewandelt werden.

Passagierfluggesellschaften werden sich um Diversifizierung ihrer Ertragsströme bemühen und dazu Frachtflugzeuge in ihre Flotten aufnehmen – beispielsweise durch die Umwandlung von redundant gewordenen Passagierflugzeugen. Zudem ist es wahrscheinlich, dass Fluggesellschaften weiter in Bodenkapazitäten für die pharmazeutische Distribution investieren werden. Dennoch wird die Bodenabfertigungskapazität auch 2021 insgesamt ein Engpass für die Branche bleiben.

Durch die Einführung von Impfstoffen und die Einrichtung dringend benötigter Distributionskanäle werden diese Veränderungen im Verlauf des Jahres 2021 noch wahrscheinlicher. Für Impfstoffhersteller ist die Transport-Schnelligkeit deutlich wichtiger als der Kostenfaktor, sodass Impfstofftransporte auf dem Markt vor so gut wie allen anderen Waren Vorrang haben werden.

„Bei der Kapazitätsplanung hat man nächstes Jahr eigentlich keinen Spielraum für Fehler“, gibt Neel Jones Shah zu bedenken, EVP und Global Head of Airfreight bei Flexport. „Investieren Sie in Teams und Tools für Prognosen. Halten Sie engen Kontakt zu Vertriebsteams, um die Geschäftsanforderungen zu klären und Transportkombinationen auf Effizienz zu prüfen.“

5. Daten und Technologie

2020 hat Unternehmen auf mehreren Ebenen hart gefordert. Es war ein Jahr, in dem man dramatische externe Veränderungen beobachten und gleichzeitig im Unternehmen nach Lösungen dafür suchen musste. Diese Veränderungen zeigte den dringenden Bedarf für Analysen und Antworten zur Strategieentwicklun, als würde man das Flugzeug bauen, während man es fliegt.

Prognose: Aktuelle Daten und Technologien werden noch wichtiger, wenn es darum geht, Veränderungen und Ungewissheit, die es auch 2021 geben wird, zu bewältigen. Damit Unternehmen erfolgreich sein können, müssen sie jede sich bietende Gelegenheit nutzen um die wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19 abzufedern. Dabei werden Echtzeit-Datenanalysen, die das Treffen wichtiger Entscheidungen im laufenden Betrieb ermöglichen, werden im Zuge dessen noch größere Bedeutung gewinnen.

„Wir gestalten unsere Technologie so, dass sie unsere Kunden in vielerlei Hinsicht unterstützt“, macht James Chench deutlich, Chief Technology Officer von Flexport. „Was dieses Jahr angesichts von COVID besonders geschätzt wurde, war die Möglichkeit, Supply Chains von überall aus steuern zu können. Als Unternehmen gezwungen waren, auf Homeoffice-Betrieb umzustellen, stieg die Nutzung unserer digitalen Plattform um 21 Prozent.”

Heute die richtigen Entscheidungen für morgen treffen

Gerade jetzt kann der Dezember einen Brückenschlag zur neuen RFP-Saison darstellen und darueber entscheiden, ob 2021 ein erfolgreiches oder ein weiteres frustrierendes Jahr wird. Die beste Vorgehensweise: Bereiten Sie sich auf allen Ebenen der Supply Chain mit dem richtigen Handwerkszeug vor:

  • Technologie. Zentrale Dashboards, in Echtzeit aktualisierte Tracking- Karten, Trend- und Musteranalysen sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen Verladern und Lieferanten- 2021 wird das Jahr des Disruptionsmanagements.
  • Zoll- und Handelsberatungsdienste. Expertenwissen rund um den Zoll kann in Kombination mit passenden Daten deutliche Vorteile ermöglichen, beispielsweise in Form einer deutlich geringeren Zahl an Zollinspektionen und niedrigeren Gebühren.
  • Transportstrategien und -Serivces. Zu wissen, wie sich Schnelligkeit und Kapazitäten am besten ausbalancieren lassen und welche Handelsrouten am sinnvollsten sind, bringt größtmögliche Vorteile. Nutzen Sie die Fahrpläne der Carrier und historische Daten, die über die Hafen-zu-Hafen-Zeiten hinausgehen, um ein zuverlässiges Modell zur Prognose von Transitzeitenzu entwickeln.
  • Tools. Weitere Ressourcen-Tools, wie Zollrechner und CO2-Rechner, helfen Unternehmen dabei, Finanz- und Nachhaltigkeitsziele im Blick zu behalten.

Ungeachtet aller Tools, Tipps und Tracking-Möglichkeiten bleibt eine Wahrheit: Auch 2021wird deutlich von der COVID-19-Pandemie geprägt sein. Auch im Falle der prognostizierten Best-Case-Szenarien– mit weit verbreitete Impfungen, eine Erholung des Handels- und Konsumverhaltens und verbesserte Transportkapazitäten - wird es eine lange Anpassungsphase geben.

Unternehmen werden sich überlegen müssen, wie sie mit der Post-Covid Wirtschaftssituation umgehen. Möchten Sie mehr darüber erfahren, was das bedeutet und wie Sie entsprechend planen können? Dann schauen Sie sich unser Webinar State of Trade: Lessons of 2020, Insights for 2021 mit Flexport-Chefökonom Phil Levy und unserem CRO Will Urban jetzt on-demand an.

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