03.09.2020

Brexit-Update: Die ersten Anzeichen für die Auswirkungen des Brexit auf den Handel

Phil Levy

Chief Economist, Flexport

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Selbst niedrige Zölle wirken sich bei eng verwobenen Supply Chains merklich auf den Handel aus. Dies lässt sich derzeit anhand der Zölle zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU beobachten. Unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Schäden nach der Pandemie treten die Auswirkungen noch deutlicher hervor. Diejenigen, die ihren Fokus auf den Handel Großbritanniens mit der Europäischen Union setzen, sehen einer konkreten Deadline mit Anspannung entgegen. Sollten Unternehmen jetzt handeln und kostspielige Überarbeitungen ihrer Supply Chain vornehmen, um den bevorstehenden Restriktionen adäquat zu begegnen? Oder wird die nächste Frist, wie bereits zuvor, harmlos an ihnen vorbeiziehen?

Seit der ersten Abstimmung über den Austritt des Vereinigten Königreichs vor mehr als vier Jahren gab es unzählige Verhandlungsrunden. In der Zwischenzeit ist viel passiert. Es gab zwei Premierministerwechsel. Die Parlamentswahlen wurden abgehalten. Ende Januar dieses Jahres trat das Vereinigte Königreich schließlich formell aus der EU aus. Dennoch setzte das Vereinigte Königreich den Handel mit der EU zu den gleichen Bedingungen fort, die es zuvor als Mitglied genoss: Güter, Kapital und Arbeitnehmer konnten sich wie in einem Binnenmarkt und einer Zollunion ohne Zölle und mit wenigen Hindernissen zwischen den Mitgliedstaaten bewegen. Dieses Arrangement bedeutete aber auch, dass es eine gemeinsame Regulierungspolitik und Institutionen wie den Europäischen Gerichtshof geben musste. Diese sollten etwaige Streitigkeiten bezüglich des Abkommens beilegen.

Was bisher geschah: Meilensteine des Brexit

Ein Großteil der bisherigen Brexit-Verhandlungen behandelte einige hochbrisante politische Fragen. Eines der Kernversprechen der "Leave"-Kampagne betraf die mögliche Einsparungssumme von rund 393 Millionen Euro pro Woche, die in die erforderlichen Zahlungen für die EU-Mitgliedschaft flossen. Diese Rechnung war eines der frühesten Themen, das von den Verhandlungsführern angegangen wurde. Die EU behauptete jedoch, das Vereinigte Königreich habe bereits Zusagen bezüglich verschiedener EU-Projekte getroffen. Deshalb müsse es auch nach dem Brexit einen Teil dieser Projektkosten begleichen und wird gezwungen sein, eine Reihe von Zahlungen an die EU zu leisten. Die Nettosumme der offenen Posten wird auf circa 37 Milliarden Euro geschätzt.

Eine weitere, überaus komplexe und scheinbar unlösbare politische Herausforderung betraf Irland:

  • Nordirland ist Teil des Vereinigten Königreichs, die Republik Irland hingegen EU-Mitglied.
  • Solange die Republik Irland ein Teil der EU ist, sind harte Grenzen und Zollkontrollen zwischen den Mitgliedsländern unnötig. Sollte sich die Republik jedoch eines Tages außerhalb der EU-Zollunion befinden, ist eine Grenze zwischen den Mitgliedern der Zollunion und anderen Ländern erforderlich.

Das Vereinigte Königreich und die Republik Irland verpflichteten sich Ende der 1990er Jahre im Zuge des Karfreitagsabkommens, verschiedene Absprachen einzuhalten. Eine dieser Absprachen sah vor, keine harten Grenzen zwischen der Republik Irland und Nordirland aufzubauen.

Die äußerst umstrittenen Umstände zu Irland trugen zum politischen Niedergang der ehemaligen Premierministerin Theresa May bei. Der derzeitige britische Premierminister Boris Johnson schien die Lösung in der Festlegung einer Grenze über die Irische See zu sehen. Eine solche Grenze könnte zu Barrieren zwischen Nordirland und dem Rest des Vereinigten Königreichs führen.

Nachdem das Vereinigte Königreich die genannten Fragen gelöst hatte, verließ Großbritannien Ende Januar 2020 formell die EU. Der Handel lief jedoch im Rahmen eines Übergangsabkommens weiter wie bisher. Dieses war mit zwei besonders zu beachtenden Fristen verbunden. Zunächst sollte das Übergangsabkommen bis Ende 2020 auslaufen. Weiterhin hätte das Vereinigte Königreich eine Verlängerung bis Ende Juni beantragen können. Da es jedoch keinen solchen Antrag gab, scheinen nur noch knapp vier Monate zwischen heute und einer neuen Regelung in den Handelsbeziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU zu liegen.

Der Handel nach dem Brexit

Für die weiteren 27 EU-Mitgliedstaaten ist es aus Zeitgründen dringend notwendig, über ein neues Handelsabkommen abzustimmen. Der leitende EU-Verhandlungsführer Michel Barnier gab kürzlich einen Verhandlungstermin Ende Oktober bekannt. Verhandlungen über vier Jahre hinweg und unbequeme Kompromisse spitzen sich gegenwärtig zu. Unternehmen bleibt nur ein kurzes Zeitfenster, um zu planen.

Sollte es bis zum 1. Januar 2021 keine Einigung geben, würden britische Güter wie jene aller anderen Mitgliedsländer der Welthandelsorganisation behandelt werden. Die Zölle auf Güter, die in die EU gelangen, würden zwar gering ausfallen, dennoch müssten sie durch den Zoll abgefertigt werden und die EU-Einfuhrbestimmungen erfüllen. Auch EU-Exporte nach Großbritannien, die derzeit ungehindert befördert werden, würden neue Verfahren erfordern. Die daraus resultierenden Anforderungen an die Logistik könnten gewaltig sein.

Offensichtlich gibt es nach vier Jahren der Verhandlungen zahlreiche Anreize zu einer Einigung zu kommen. Die lang beobachtete Brexit-Debatte scheint in die letzte Runde zu gehen.

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