20.07.2020

Kurz vor den US-Wahlen: Wie würde eine Präsidentschaft von Joe Biden den internationalen Handel beeinflussen?

Tom Gould
Vice President of Customs and Trade Advisory

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Vor kurzem veröffentlichte der ehemalige Vizepräsident Joe Biden, der voraussichtlich als Präsidentschaftskandidat für die Demokraten ins Rennen gehen wird, seinen Plan, um Lieferketten, insbesondere im Bereich der medizinischen Versorgung, der USA wieder aufzubauen und zu sichern. Mit Biden als Präsident können Importeure mit Veränderungen hinsichtlich der globalen Handelspolitik des Landes rechnen.

Im Gegensatz zu Präsident Trump möchte Biden nicht die gesamte Produktion ins eigene Land zurückverlagern. Stattdessen will er die Resilienz wichtiger Bereiche wie Elektronik, essenzielle Rohstoffe und Kommunikation stärken. Auch Medizinprodukte stehen dabei besonders im Fokus. Joe Biden verfolgt hierfür drei Strategien.

An erster Stelle möchte er die Fertigungskapazität von Lieferketten für wichtige Produkte in den USA ausbauen. In diesem Szenario können Importeure davon ausgehen, dass eine Biden-Regierung durch Steueranreize und breit angelegte Maßnahmen der bundesstaatlichen Regierungen, unterstützt durch bestehende Gesetze, die Produktion zurück in die USA locken wird. Im Gegensatz dazu drängt die Trump-Regierung Unternehmen dazu, Produkte zu produzieren, auch wenn sie mit diesen nicht vertraut sind. Wenn Biden mit seinem Ansatz Erfolg hat, werden die Importe von anderen nicht-essenziellen Rohstoffen und Bauteilen für wichtige Produkte vermutlich zunehmen.

Zweitens würde es sich eine Biden-Regierung zur besonderen Aufgabe machen, die Kapazität für einen plötzlichen Produktionsbedarf sicherzustellen. Unternehmen könnten infolgedessen in diesen wichtigen Bereichen erhöhte Ausgleichszahlungen vom Bundesstaat erwarten, wenn sie mehr produzieren und ein größeres Inventar bereithalten als üblicherweise. Außerdem würden robuste Partnerschaften mit der Regierung jene Unternehmen, die die Fertigungskapazität hochfahren, mit einer großen Bandbreite an F&E- sowie finanziellen Anreizen unterstützen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist unklar, wie genau eine Regierung der Demokraten Unternehmen entschädigen würde. Dieser Ansatz unterscheidet sich stark von dem der Trump-Regierung, welche Kredite angeboten und Verträge mit Unternehmen abgeschlossen hat, anstatt diese direkt zu entschädigen.

Als dritte Maßnahme würde Biden die internationalen Beziehungen, besonders auf neuen Märkten, die für US-Einfuhren und -Ausfuhren eine Rolle spielen, stärken. Joe Biden ist schon seit seiner Zeit als Senator und Vizepräsident für seinen internationalen Ansatz bekannt. Er möchte mit „Verbündeten“ zusammenarbeiten, sowohl auf geopolitischer Ebene als auch beim Freihandel. Im Falle einer Biden-Regierung können Importeure mit einer allmählichen Rückkehr zu bilateralen und gar multilateralen Handelsbeziehungen mit traditionellen Partnern der USA rechnen. Eine Rückkehr zu stabileren Beziehungen mit traditionellen Verbündeten stünde dem aktuellen Ansatz von rein unilateralen oder bilateralen Handelsbeziehungen gegenüber.

Beim Blick in die Zukunft stellt sich nicht nur die Frage, ob Biden die Präsidentschaft gewinnen kann, um seine Handelsziele zu erreichen, sondern auch, was aus den Section 301-Zöllen für Produkte aus China werden wird. Derzeit scheint Biden eine Handelspolitik anzustreben, die in erster Linie einen rein auf die USA-fokussierten Handelsplan mit einem kooperativeren Ansatz vorsieht.

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