14.04.2021

Wie geht es nach der Havarie im Suez-Kanal jetzt weiter?

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Europas Häfen werden in den kommenden Wochen mit den Folgen der Suez-Blockade beschäftigt sein. Unternehmen müssen sich auf Verspätungen, Zuschläge und Engpässe bei der Container-Verfügbarkeit einstellen.

Um in der aktuellen Situation möglichst flexibel auf neue Entwicklungen reagieren zu können, ist es jetzt wichtig, den Überblick über die aktuellen Ereignisse zu behalten.

Was geschieht jetzt mit der Ever Given?

Bis die Suezkanal-Behörde die noch offenen Fragen geklärt hat, wird die Ever Given weiterhin im Großen Bittersee des Suezkanals liegen. Reparaturarbeiten finden zwar bereits statt, der Schiffseigner und die Kanalbehörde müssen sich jedoch noch auf die Kostenübernahme für die Bergung einigen - ein durchaus komplexer Prozess.

General Average

Die Reederei hat inzwischen General Average - große Haverei - erklärt. Kern der Regelungen zu General Average ist eine geteilte Verantwortung für hohe Kosten, welche durch eine Schiffshavarie entstehen. Bei einem Ereignis in dieser Größenordnung könnte es Jahre dauern, bis alle Einzelheiten geklärt sind. Unternehmen mit geeigneter Transportversicherung erhalten ihre Ware jedoch wahrscheinlich schneller, wenn sie entsprechende Versicherungsdokumente vorweisen können.

Unternehmen ohne Versicherungsschutz müssen häufig eine Bareinlage hinterlegen, um ihre Ware zu erhalten – die Höhe der Summe richtet sich dabei nach einem Anteil am Gesamtwert aller Waren auf dem Schiff- nicht nur der eigenen Ware.

Vor diesem Hintergrund kann General Average ein Warnsignal auch für Unternehmen sein, die kein Cargo auf der Ever Given haben: Eine Transportversicherung ist häufig eine gute Investition, um im Unglücksfall schnell und unkompliziert eine Lösung zu erlangen.

Kann der Suezkanal schon wieder passiert werden?

Der Stau vor dem Suezkanal hat sich aufgelöst. Die ersten Containerschiffe, die nach der Befreiung der Ever Given den Kanal passieren konnten, treffen jetzt in Europas Häfen ein. Schiffe, welche den Umweg über das Kap der Guten Hoffnung genommen haben, werden frühestens in der letzten Aprilwoche erwartet.

Flexport-Kunden, die auf die Ankunft dieser Schiffe warten, finden auf unserer Plattform aktuelle Informationen zu ihren Sendungen.

Congestion-Zuschläge

Die Überlastung an Häfen und im Hinterland wird in den kommenden Wochen die größte Herausforderung sein. Da die verspäteten Schiffe zusammen mit planmäßig eintreffenden Frachtern einlaufen, werden diese vor den nordeuropäischen und britischen Häfen länger als gewohnt auf Anlegeslots warten müssen. Derzeit wird erwartet, dass Schiffsankünfte bis Ende Mai um bis zu 47 % ansteigen.

Als Folge der Congestion müssen Unternehmen mit Preiszuschlägen sowohl im Schiffsverkehr als auch bei anderen Transportarten rechnen. Längere Liegezeiten von Containern in den Häfen könnten außerdem zu Demurrage-Kosten führen.

Auch im Truck-, Binnenschiff- und Bahntransport deuten sich Kapazitätsengpässe an. Einige Transportdienstleister haben bereits entsprechende Zuschläge angekündigt, weitere sind nicht ausgeschlossen.

Blank Sailings

Reedereien werden in den kommenden Wochen wahrscheinlich mehr Blank Sailings ankündigen. Es mag zunächst kontraintuitiv wirken, bei Engpässen Abfahrten zu stornieren. Durch ausgesetzte Services können Reedereien jedoch die Pünktlichkeit ihrer Fahrpläne wiederherstellen.

Aktuellen Ankündigungen zufolge ist das Serviceangebot der Reedereien in der Kalenderwoche 16 - vom 19. bis zum 25. April - am geringsten. Weitere Blank Sailings sind jedoch nicht auszuschließen.

Ähnlich wie im vergangenen Jahr bei Corona-bedingten Stornierungen, wird zu Premium-Raten gebuchtes Cargo von den Reedereien priorisiert verladen.

Um ihren Transport unter diesen Umständen zu beschleunigen, haben Unternehmen einige Möglichkeiten:

  • Ziehen Sie Premium-Services in Betracht, um sich Kapazität oder einen schnelleren Transport zu sichern.

  • Sollte ein Teil Ihrer Ware besonders dringend sein, teilen Sie dies Ihrem Speditions-Partner mit, damit die Verschiffung entsprechend priorisiert werden kann.

Containerverfügbarkeit

Die Verzögerungen im Suezkanal haben sich auch auf viele Schiffe auf dem Weg nach Asien ausgewirkt, sodass die Verfügbarkeit von Containern in Europa erneut kritische Engpässe aufweist.

Die Problematik rund um die Verfügbarkeit von Containern begann bereits vor einem Jahr nach den Shutdowns infolge der Corona-Pandemie. Viele Leercontainer befanden sich nicht an denjenigen Orten, an denen sie am dringendsten benötigt wurden. Reedereien haben mitunter extreme Maßnahmen ergriffen, um die Container wieder zu verteilen, eine monatelange starke Nachfrage haben diese Bemühungen jedoch erschwert.

Vor dem Hintergrund der Suez-Folgen haben Unternehmen ein paar Möglichkeiten, um den Transport ihrer Ware zu beschleunigen:

  • Buchen Sie Container frühstmöglichst im Voraus – bestenfalls 21 Tage, jedoch nicht später als 14 Tage vor Ihrem Cargo Ready Date.

  • Bleiben Sie in Bezug auf Containergrößen und -typen flexibel und nutzen Sie verfügbares Equipment.

  • Planen Sie sorgfältig voraus, um Last-Minute-Änderungen zu vermeiden. Lassen Sie sich das Cargo Ready Date von Ihren Lieferanten immer bestätigen.

Eine Entspannung der Situation zeichnet sich derzeit für Ende Mai/ Anfang Juni ab - wenn die Containerschiffe die europäischen Häfen erreicht haben und wieder nach Asien weiterfahren. Die Nachfrage nach Seefracht ist allerdings schon seit Monaten hoch, sodass Kapazität über den Sommer hinweg weiter knapp bleiben könnte.

Melden Sie sich für weitere Informationen zu den Folgen der Suez-Blockade und der aktuellen Situation auf den Handelsrouten Asien-Europa und Europa-Amerika zu unserem 30-minütigen Freight Market Update Live am 20. April um 16:00 Uhr an.

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