24.04.2020

PSA-Lieferungen unter Zeitdruck: Auswirkungen auf globale Lieferketten und Zollkontrolle

Flexport

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Die Nachfrage nach persönlicher Schutzausrüstung (PSA) ist immens gestiegen. Nach klinischer Standardpraxis muss für jeden Patienten eine neue N95-Atemschutzmaske angelegt werden. Da überrascht es nicht, dass das US-Gesundheitsministerium den landesweiten Bedarf an solchen Masken für eine langfristig andauernde Pandemie auf 3,5 Milliarden schätzt. Der globale Bedarf ist entsprechend bedeutend höher.

Welche Herausforderungen bringt dies für die Herstellung und Lieferung von PSA? Und was sind die Auswirkungen – speziell in Zeiten der COVID-19-Krise – auf globale Lieferketten und Zollkontrollen? Hierzu sprachen Tom Gould, VP (Global Customs) von Flexport, und Susy Schöneberg, Leiterin von Flexport.org, unlängst bei einem Webinar.

Herausforderungen bei Verfügbarkeit und Transport von PSA während der COVID-90-Krise

Der Mangel an PSA in Krankenhäusern hat mehrere Ursachen. Zunächst haben auch die Händler mit Engpässen zu kämpfen, für Bestellungen direkt beim Hersteller fehlt es den Krankenhäusern an Beziehungen. Hinzu kommt, dass viele Anbieter stattliche Anzahlungen von 50 % oder mehr verlangen.

Auch der Transport ist stark erschwert. Rund 50 % der globalen Luftfracht entfallen gewöhnlich auf Passagierflugzeuge, die nun weitgehend gestrichen sind – eine ganz eigene Problematik. Und ist ein Flugzeug mit der ersehnten Fracht dann doch gelandet, fällt es schwer, die Krankenhäuser mit dem dringendsten Bedarf zu bestimmen.

Ein vielleicht noch größerer Stolperstein ist die Zollabfertigung (Aus- und Einfuhr), die den strengen Vorschriften für Medizinprodukte genügen muss. Wie Ryan Petersen, CEO von Flexport, in anderem Blogbeitrag ausführt, sind bei internationalen Spediteuren und Zollbrokern hunderttausende Mitarbeiter im Einsatz, um Compliance-Prozesse für PSA zu beschleunigen. Doch die wachsende Zahl von Anbietern weltweit ist und bleibt eine Herausforderung.

Die für die Einfuhr zuständigen Behörden wissen, wie groß und dringend der Bedarf ist. Alle Anstrengungen werden unternommen, um PSA-Sendungen möglichst zügig abzufertigen, wobei ein früher Start der Compliance-Prozesse besonders wichtig ist.

„Je ausgereifter und besser dokumentiert ein Prozess, desto kooperativer sind meist auch die Zollbehörden“, so Gould.

Exporte aus China

China ist weltweit Hauptlieferant von PSA. Nach anfänglichen Berichten über Qualitätsprobleme hat das Land die Ausfuhrvorschriften verschärft.

Inzwischen müssen PSA-Hersteller offiziell bei der Regierung verzeichnet sein. Die Ausfuhr erfordert eine weitere, spezielle Genehmigung, wobei auch die Anforderungen des Einfuhrlandes erfüllt sein müssen – etwa die Vorschriften der US-Arzneimittelbehörde (FDA) im Falle der USA. Dies veranlasst die Hersteller, beispielsweise bei der Kennzeichnung, sich von Anfang an auf einen bestimmten Exportmarkt einzustellen.

PSA-Anbieter, die mit chinesischen Herstellern zusammenarbeiten, sollten Compliance-Prozesse möglichst frühzeitig in Gang bringen. Hilfreich sei es auch, bereits bei der Partnerwahl die Compliance-Perspektive einzubeziehen, riet Tom Gould in unserem Webinar.

Importe in die USA

Die USA gehören zu den wenigen Ländern, in denen zollfremde Behörden, wie die FDA, Zollvorschriften erlassen können. Bei Masken und sonstigen PSA-Produkten, die für medizinische Zwecke eingeführt werden, verlangt die FDA eine Registrierung des Herstellers, des Verkäufers (falls nicht gleichzeitig Hersteller), des Importeurs und des Produktes selbst.

Im Zuge der COVID-19-Krise kam es jedoch zu Lockerungen. Sogenannte Notausnahmen (Emergency Exception Authorizations, EUAs) gestatten die Einfuhr von persönlichen Schutzausrüstungen:

  • deren arbeitsmedizinische Zulassung für die USA (NIOSH) abgelaufen ist,
  • die für bestimmte Drittländer zugelassen sind,
  • die in einer Liste zugelassener Maskenmodelle chinesischer Hersteller aufgeführt sind,
  • die nicht für medizinische Zwecke bestimmt sind.

Bestimmte gemeinnützige Organisationen wurden zudem berechtigt, PSA zollfrei zu importieren. Wenn Sie diese neuen Bestimmungen der US-Zollbehörde (CBP) für sich nutzen wollen, empfehlen wir die Rücksprache mit Ihrem Zollbroker.

Importe in die EU

In der EU bestehen ähnliche Qualitätsanforderungen wie in den USA, die in den EU-Verordnungen für persönliche Schutzausrüstungen und Medizinprodukte verankert sind. Die Verantwortung der Hersteller und Zollbroker richtet sich an die EU, nicht an nationale Zollbehörden.

Bestimmte gemeinnützige Organisationen und weitere Importeure wurden auch hier von Zöllen und der Mehrwertsteuer ausgenommen. Bei Interesse empfehlen wir eine Rücksprache mit Ihrem Zollbroker, zumal diese Regelungen landesspezifisch sind.

PSA-Exporte aus den USA

Auf Anordnung des Präsidenten wurde die Ausfuhr von N95- und vergleichbaren Masken, Schutzhandschuhen, Schutzkleidung und bestimmten weiteren PSA-Produkten vorübergehend beschränkt. Diese Regelung wird von der US-Zollbehörde in Rücksprache mit dem Amt für Katastrophenschutz (FEMA) durchgesetzt.

Aktuelle Auskünfte zu betroffenen Produkten kann Ihnen ein gut unterrichteter Zollbroker erteilen.

Folgen für globale Lieferketten

Neben Herstellern, Importeuren, Nutzern und Behörden, die schon immer in Berührung mit PSA standen, sind nun völlig neue Bereiche einbezogen. Unternehmen, die von T-Shirts bis hin zu Handcremes eigentlich ganz andere Waren fertigen, springen ein, um der enormen Nachfrage nach PSA entgegenzukommen.

Verfügbarkeit von Frachtraum

Die PSA-Krise hat die ohnehin schon angespannte Lage aufgrund der Pandemie noch verschärft.

In der Seefracht sind Blank Sailings und Stornierungen sprunghaft angestiegen. Zahlreiche Unternehmen nutzen Schnellschiffe, prioritäre Transporte und weitere Premium-Services, um ihre Lieferungen dennoch voranzubringen. Eine weitere, weniger kostspielige Möglichkeit sind kombinierte See- und Luftfrachtrouten.

Anlass zur Sorge geben auch die Lagerkapazitäten. Das Coronavirus hat sich gravierend auf Personal, Infrastruktur und Terminierung ausgewirkt. Manche Lager sind möglicherweise überfüllt, andere halb leer. Waren sind am Hafen eingetroffen – doch wo sind die Fahrer? Am Bestimmungsort fehlt es unterdessen an Personal und Laderampen, um Waren im vorgesehenen Zeitfenster in Empfang zu nehmen.

Die Luftfracht ist, wie bereits erwähnt, durch den Ausfall von Passagierflugzeugen unter Druck geraten. Allmählich reagieren jedoch die Fluggesellschaften, indem sie Flugzeuge zur Frachtbeförderung umfunktionieren. Unternehmen ihrerseits begegnen hohen Preisen und Engpässen, indem sie Lieferungen aufteilen und auf kleinere, weniger überlastete Flughäfen ausweichen.

Andrang an den Grenzübergängen

Wie alle Arbeitgeber sind auch die Zollbehörden vom Coronavirus betroffen. So hat die CBP in den USA über 200 COVID-19-Fälle vermeldet. Viele Zollbeamte bleiben im Homeoffice. Neue Player im Transportbereich, die mit den Verfahren nicht vertraut sind, drängen auf den Markt. Hinzu kommen ständig neue Vorschriften, die bereits Erläuterung fanden, wobei PSA und auch COVID-19-Testkits verschärften Kontrollen unterliegen. All diese Faktoren führen zu Überlastungen und Engpässen. Die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Zollbroker und Spediteur bringt hier eine gewisse Milderung.

Wie wird es weitergehen?

Die gute Nachricht ist: Die Notlage hat eine neue Dynamik ausgelöst und führt zu innovativen Lösungen. So hat beispielsweise Flexport.org im Januar einen COVID-19-Notfallplan gestartet. „Die Reaktion von Spendern, Behörden, Krankenhäusern und Speditionspartnern war fantastisch“, so Susy Schöneberg. Mit gecharterten Flugzeugen und weiteren Transportmitteln wurden bereits mehr als 60 Mio. PSA-Produkte und medizinische Hilfsgüter an Einrichtungen geliefert, die sie so dringend benötigen.

Proaktives Handeln in turbulenten Zeiten

Angesichts enormer Anforderungen an die Logistik empfiehlt Gould verschiedene Methoden, um Betriebsprozesse flexibel und belastbar zu halten:

Kontinuität der Frachtflüsse

  • Einrichtung solider Verfahren mit (neuen) Anbietern
  • Sicherstellung von Luftfrachtkapazitäten
  • Vorkehrungen für gleichzeitig eingehende Großaufträge, etwa zur Unterstützung von Krankenhäusern

Compliance mit verschärften Standards und Zollvorschriften

  • Export- und Importregelungen ändern sich. Bleiben Sie am Ball!
  • Konformität erleichtert die Anpassung an neue Gegebenheiten.
  • Zollbehörden begünstigen registrierte Unternehmen.

Minimierung der Risiken durch Hafenüberlastung

Empfänger, die Risiken durch Hafenüberlastung minimieren möchten, sollten sich alle Möglichkeiten offenhalten. Hierzu fünf Empfehlungen:

  1. Sprechen Sie mit Ihrem Spediteur über die Sicherung von Lagerkapazitäten in Off-Dock-Depots oder zusätzlichen Lagern.
  2. Fragen Sie Ihr Transportunternehmen nach dem besten Umgang mit Zurückbehaltungsbedingungen.
  3. Nutzen Sie bei knapper Lagerkapazität langsamere Seefrachtdienste oder Zwischenlagerung.
  4. Suchen Sie nach alternativen Gateway-Häfen, die weniger überlastet sind.
  5. Behalten Sie Ihr Standgeld und Gebühren für die Zurückbehaltung genau im Blick, um kostspielige Überraschungen zu vermeiden.

Über Ankunftszeiten und Verfügbarkeiten der Container stets informiert zu sein, ist aktuell wichtiger denn je. Terminals stellen schließlich Lagergebühren in Rechnung, wenn eine Fracht nicht bis zum letzten entgeltfreien Tag in Empfang genommen wird – auch wenn dies wegen COVID-19 geschehen mag.

Sie möchten genauer wissen, wie Sie die Herstellung und Beförderung von PSA voranbringen können und was die Krise speziell für Ihre Lieferkette und Ihr Unternehmen bedeuten kann? In unserem On-Demand-Webinar erhalten Sie alle relevanten Informationen!

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