08.04.2020

Ein Blick in die Zukunft des Frachtverkehrs: Wie geht es nach der COVID-19-Krise weiter

Flexport

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Im Rahmen einer virtuellen Diskussionsrunde tauschte sich Flexport mit Medienvertretern zur Zukunft von Fracht und Logistik aus. Dabei sprachen wir unter anderem darüber, wie Spediteure und andere Unternehmen die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Lieferketten bewältigen konnen. Moderator Harshad Kanvinde, Practice Leader für den Bereich Strategy & Supply Chain beim Beratungsunternehmen Slalom Consulting, leitete das Gespräch zwischen Flexport-Gründer und CEO Ryan Petersen, Convoy-Mitgründer und CEO Dan Lewis sowie FLEXE-Mitgründer und CEO Karl Siebrecht.

Lesen Sie hier alle Details der Diskussion sowie Tipps von Ryan Petersen, wie zukunftsorientierte Technologie- und Logistikstrategien Unternehmen helfen können, auch in Zeiten der Disruption agil zu bleiben.

Chaos in den Supply Chains

Nichts ist dieses Jahr vorhersehbar. Lieferungen aus China kommen allenfalls langsam zu den Empfängern, und die Nachfrage nach medizinischen Versorgungsgütern ist hoch. Abgesehen davon sind die Lieferketten aufgrund von Hamsterkäufen der Verbraucher sowie logistischer Verwicklungen stark gefordert.

„Gerade in dem Moment, als die Nachfrage wieder steigt, ist die Luftfrachtkapazität sehr gering“, stellt Ryan Petersen fest. "Wir sehen derzeit, dass die chinesischen Fabriken weit unterhalb ihres zu erwartenden Auslastungsniveaus liegen.“

Strategische Lösungen

Da der Nachfrageeinbruch anhält, verschieben sich die Supply Chain Strategien.

Derzeit werden vorrangig bewegen unverzichtbare Waren aus den Bereichen Medizinbedarf und Lebensmittel transportiert. Da die Frachtkapazität in China aber immer noch bei der Hälfte des früheren Werts liegt, steigt das Risiko für größere Störungen.

„Statt unseren Kunden unverhältnismäßig hohe und unnötige Ausgaben für Luftfracht zu empfehlen, unterstützen wir sie mit innovativen Lösungen“, erläutert Ryan Petersen. „Ein Beispiel sind hochwertige Seefrachtprodukte, mit denen sich die Lieferzeit von 21 auf 12 Tage verkürzt. Bei jeder Lieferkette gibt es spezifische Anforderungen – vor diesem Hintergrund helfen wir auch Kunden, die nie zuvor Luftfracht genutzt haben und erstmals damit versenden möchten.“

Langfristige Auswirkungen

Störungen in Lieferketten sind kein neues Phänomen. Im vergangenen Jahr waren Achterbahnfahrten bei den Gebühren der große unbekannte Faktor, die Supply Chain Manager zur Diversifizierung weg von China und hin zu Südostasien anregte. Durch die COVID-19-Pandemie wird diese Strategie noch komplizierter, da Lieferketten überall davon beeinträchtigt sind. Hat sich die Diversifizierung also wirklich positiv ausgewirkt?

Ryan Petersen weist darauf hin, dass Waren „aus vielen verschiedenen Ländern bezogen und hergestellt werden. Wenn es in einer Region zu Störungen kommt, hat das Folgen, die ungeheuer schwer zu modellieren und vorherzusagen sind. Allerdings wäre es sehr kostspielig und deshalb vielleicht nicht die beste Reaktion, alles selbst herzustellen, auch wenn es aktuell womöglich gerade als weniger risikoreich erscheint.“

Fazit: Überkorrigieren Sie nicht aufgrund eines beispiellosen globalen Ereignisses.

Optimierung für mehr Widerstandsfähigkeit

Schnelle Lieferungen sind nur möglich, wenn in der betreffenden Region, die ein Unternehmen abdecken möchte, ausreichende Lagerbestände vorhanden ist.

Der Rat von Ryan Petersen: „Die Optimierung für Lieferungen innerhalb von einer Stunde macht die Lieferkette widerstandsfähiger. Wenn man Optimierungen nur auf Just-in-Time-Fertigung ausrichtet und der Lagerbestand nur den für eine Woche erwarteten Bedarf abdeckt, hat man keine Chance, Black-Swan-Ereignisse zu bewältigen.“

Globale Pandemie

Die Weltwirtschaft scheint kurz vor dem Stillstand zu sein, tatsächlich läuft der Betrieb bei vielen Logistikdienstleistern aber weiter. Durch Produktion und Vertrieb in unterschiedlichen Regionen, angepasst an die Spitzen und Abflachungen der COVID-19-Entwicklung rund um den Globus, wird auch in einer schwierigen Zeit für möglichst starken Handel gesorgt.

„Wir bieten unseren Partnern an den besonders stark betroffenen Orten Unterstützung an“, versichert Ryan Petersen. „Sie wissen, dass wir für sie da sind, sobald sich die Lage normalisiert hat.“

„Anfang des Jahres ist es uns gelungen, tausende Masken zu beschaffen und dank mutiger LKW-Fahrer, die sich zu der Fahrt bereit erklärten, direkt nach Wuhan zu liefern“, so Ryan Petersen weiter. „Wir sind gern Partner, die versuchen möchten, Tests oder medizinische Ausrüstung zu versenden. Das Team ist über die Website Flexport.org zu erreichen.“

Agile Technologie

Die digitale Transformation im aktuellen Jahrtausend hat Logistikdienstleister gelehrt, dass sie sich besser denn je vorbereiten müssen – vorausgesetzt, die Speditionspartner haben Schritt gehalten. Datengestützte Plattformen können in Zeiten der Unsicherheit zu ausgefeilten, effektiven Dreh- und Angelpunkten werden.

„Wichtig ist dabei nicht nur, dass Kunden neue Technologien einsetzen, sondern auch, dass ihr Dienstleister dazu in der Lage sind“, warnt Ryan Petersen. „Software hat einen starken Einfluss auf die Möglichkeiten von Unternehmen agil zu Handeln. Die genauen Umstände von Störungen lassen sich nicht vorhersagen, aber es wird bei unserer Arbeit immer irgendwelche Störungen geben.“

Möglichkeiten in der Luftfracht

Da Unternehmen in China den Betrieb in den kommenden Wochen wieder hochfahren werden, setzt sich der Anstieg der Luftfrachtpreise wahrscheinlich fort. Ryan Petersen ist allerdings überzeugt, dass langfristige Voraussagen derzeit schwierig sind.

„Luftfracht ist insofern anders, als das Kapazitätsangebot sich nicht passend zur Produktnachfrage verändert“, stellt Ryan Petersen klar. „Das Luftfrachtangebot hängt vom Passagierverkehr ab, und Fluggesellschaften gehen davon aus, dass sich ihre Passagierflüge nicht vor April 2021 normalisieren werden. Noch mindestens zwölf Monate ist also weiterhin von hohen Luftfrachtpreisen auszugehen, da das Angebot begrenzt bleibt.“

Die Welt nach COVID-19

Da die Welt vor einer möglichen Rezession steht, wurden die vor einigen Monaten erstellten Wachstumsprognosen für Unternehmen und Länder verworfen. Vielfach weiß man nicht, was zu erwarten ist.

Ryan Petersen sieht für Logistikmanager die Chance, innerhalb von Unternehmen eine stärkere strategisch geprägte Rolle einzunehmen, besonders in Hinblick auf Notfallplanungen für bessere Vorbereitungen.

„Ich glaube, Logistikmanager werden künftig dafür geschult, sich über den Versand von Fracht, Containern, physischen Waren und Paletten Gedanken zu machen. Man wird erkennen, wo Geld im Lagerbestand gebunden ist. Wenn Logistikmanager dem Unternehmen bessere Möglichkeiten für das Cash- Management aufzeigen können, haben sie die Möglichkeit, eine strategischere Funktion zu übernehmen.“

Die kommenden Monate

Auch im Falle einer schnellen Änderungen der aktuellen Situation können Flexport-Kunden ihre Unternehmen agiler machen, indem sie ein starkes operatives Netzwerk für den Informationsaustausch aufrechterhalten. Wenn die richtigen Personen frei auf Informationen zugreifen können, ermöglicht dies eine schnellere Entscheidungsfindung.

Ryan Petersen dazu: „Im Moment gilt das Motto ‚Bargeld lacht‘. Wenn man über schwer verkäuflichen Lagerbestand verfügt, sollte man kreativ werden und Möglichkeiten zum Erschließen einer solchen Liquidität finden. Die Small Business Administration (SBA, eine US-Behörde zur Unterstützung kleiner und mittelständischer Unternehmen) hat ein Programm mit unterstützenden Krediten und günstigen Finanzierungen angekündigt.“

„Wie schaffen Sie es, dass sich Ihr Team auf das Offensivspiel konzentriert? Wie bleiben Sie in Kontakt mit Kunden, um sie darüber zu informieren, dass Sie offen für neue Geschäfte sind und bedarfsgerechte Produkte und Lösungen anbieten möchten? Wie können Sie schnell ins E-Commerce-Geschäft einsteigen?“

„Diejenigen, die sich dem Wandel am besten anpassen können, werden überdauern.“

COVID-19 stellt die Widerstandsfähigkeit der Supply Chains rund um den Globus auf eine harte Probe. Kluge Shipper können in dieser Situation ihren Logistik- Strategie stärken – mit den richtigen Daten, starken Geschäftsbeziehungen und einer agilen Strategie.

Weitere Informationen über die Auswirkungen von COVID-19 auf Lieferketten finden Sie auf unserem COVID-19 Supply Chain Insights Hub.

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