08.02.2021

Supply Chain Management 2021: 3 Praxistipps für mehr Kontrolle in Ihrer Lieferkette

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Das Chaos, das wir 2020 in vielen Supply Chains erlebten, wird sich hoffentlich dieses Jahr nicht wiederholen. Dennoch konnten wir noch nicht alle Herausforderungen der vergangenen Monate hinter uns lassen. Seit Beginn der Pandemie kämpfen viele Unternehmen mit unzähligen Schwierigkeiten wie fehlenden Kapazitäten, mangelndem Equipment, steigenden Spot-Raten und dem turbulenten Marktumfeld.

Eine der größten Herausforderungen im Jahr 2021 besteht daher darin, vorherzusagen, wie sich diese Themen in den kommenden Monaten auf unternehmerische Entscheidungen auswirken werden.

In der aktuellen Ungewissheit langfristige Vorhersagen treffen zu müssen, ist für viele Logistik- und Supply Chain-Teams nicht einfach. Eine mögliche Antwort auf die aktuellen Herausforderungen könnte der Aufbau einer widerstandsfähigen Lieferkette sein. Auch wenn sich dynamisch verändernde Umstände kaum beeinflussen lassen, haben Unternehmen so die Möglichkeit, ihre eigenen Prozesse und die Flexibilität dieser zu verbessern und auszubauen. Auf diese Weise können sie sich gut aufstellen, um eventuelle Rückschläge zu überstehen.

Resilienz ist die Fähigkeit, anpassungsfähig zu sein und sich schnell von unerwarteten Veränderungen und Rückschlägen zu erholen. In vielen Fällen bedeutet Resilienz aber auch, den eigenen Status quo kontinuierlich zu hinterfragen. Was in der Vergangenheit bisher gut funktionierte, kann sich in der Praxis dieses Jahr als nicht mehr wirksam erweisen. Daher ist es ratsam, dass Unternehmen ihre aktuelle Strategie überdenken und stattdessen eine Szenarioanalyse vornehmen. Stellen Sie sich nach den Turbulenzen der letzten Monate zum Beispiel folgende Fragen: „Was habe ich in meinem Set-Up geändert, um besser vorbereitet zu sein?“ Um sich für die Zukunft gut aufzustellen ist es sehr wichtig, Reaktionen auf frühere Probleme genau zu analysieren und daraus Erkenntnisse für zukünftige Entscheidungen zu ziehen.

Lesen Sie in diesem Guide:

  • Welche Daten und Informationen Ihnen dabei helfen, fundiertere Entscheidungen zu treffen
  • Wie Sie Rückschläge überwinden und Herausforderungen bewältigen, um Ihre Supply Chain widerstandsfähiger zu machen
  • Hilfreiche Praxistipps und -tricks, mit denen Sie für das Jahr 2021 und darüber hinaus zuverlässig planen können.

Wie können Unternehmen im volatilen Marktumfeld souverän agieren und strategisch kluge Einkaufsentscheidungen treffen? Die Antwort liegt im Aufbau einer belastbaren und flexiblen Lieferkette. Dies beinhaltet auch die Optimierung der Entscheidungsprozesse. Unsere Flexport Supply Chain-Experten empfehlen Ihnen dafür Folgendes:

Tipp 1: Brechen Sie die Entscheidungsprozesse Ihrer Supply Chain in einzelne Entscheidungen auf

In einem volatilen Markt ist die Versuchung groß, komplexe Verträge abzustimmen und Partner auf die Erfüllung von Verbindlichkeiten zu fixieren. Darüber wird leicht vergessen, dass dies auch die Flexibilität des eigenen Unternehmens einschränken kann. Denn ändert sich der Markt plötzlich, lassen sich zuvor fixierte Vereinbarungen möglicherweise nicht mehr einhalten oder, noch schlimmer, Unternehmen sind in ihrem Handlungsspielraum durch die bereits getroffenen Entscheidungen eingeschränkt. Die Lösung dafür besteht darin, die Anzahl an einzelnen Entscheidungen insgesamt zu erhöhen und diese auf die gesamte Lieferkette anzuwenden.

Flexport empfiehlt, die Volumina nach Dringlichkeit zu differenzieren, z.B. dringend/ flexibel. So können Sie weiterhin von strukturellen Vereinbarungen profitieren, gleichzeitig aber auch besser auf eventuelle Marktveränderungen reagieren.

Anstatt Ihr Portfolio als Ganzes zu betrachten, unterteilen Sie Ihr Business zum Beispiel in Bereiche, in denen Sie Zuverlässigkeit benötigen oder flexibler vorgehen können – auf diese Weise erhöhen Sie die Agilität deutlich. Das Gleiche lässt sich auch mit einem zentralen und diversifizierten Einkauf erreichen. Und Sie können sich für einen einzigen oder mehrere Logistikpartner entscheiden, je nach den Anforderungen des jeweiligen Geschäftsbereichs.

Flexport hat festgestellt, dass viele Kunden dazu übergegangen sind, unterschiedliche Prioritäten für ihre Sendungen zu definieren. Marjon Van Veen, Senior Manager of Accounts, belegt dies am Beispiel eines Kunden, der Schwierigkeiten hatte, sich vor einer großen Werbekampagne die benötigte Kapazität zu sichern:

„Sie priorisierten ihre Bestellungen in A-, B- und C-Kategorien. Dem Spediteur überließen sie dabei die volle Entscheidungsfreiheit um so soviel Fracht wie möglich zu transportieren. Gleichzeitig hatten sie jederzeit den Überblick darüber, welche Fracht priorisiert werden musste.“

Tipp 2: Identifizieren Sie Engpässe

Um Resilienz aufzubauen, sollten Sie Ihre gesamte Lieferkette betrachten. Identifizieren Sie alle potentiellen Engpässe, die verhindern könnten, dass Ihre Strategie die gewünschten Ergebnisse erzielt. Die isolierte Lösung eines einzelnen Problems in einem Teil Ihrer Supply Chain kann gänzlich verpuffen, wenn es durch eine neue Blockade an anderer Stelle konterkariert wird.

In vielen Fällen entstehen solche Engpässe in

  • Bereichen, in denen Sie nicht damit gerechnet hätten,
  • Bereichen, die für Sie keine Priorität haben, sowie in
  • Bereichen, in denen Sie keine Transparenz haben.

Da sich die Marktsituation ständig ändert, besteht die Herausforderung darin, Problemen bereits im Vorfeld auf die Spur zu kommen und jederzeit zu wissen, was in der gesamten Lieferkette vor sich geht. Kleinere Probleme lassen sich auf diese Weise schnell beheben, bevor sie zu größeren Herausforderungen werden können.

Nick Barber, Global Accounts Executive bei Flexport, führt das Beispiel eines deutschen E-Commerce-Kunden an, der kurzfristig feststellte, dass die Equipment-Situation in mehreren chinesischen Häfen kritisch ist:

„Mit einer Diversifizierungsstrategie gelang es dem Unternehmen, sich die benötigten Container zu sichern. Anschließend entstand jedoch bei einem Trucking-Partner in China ein weiterer Engpass. Das Problem: Der Partner war mit den Abläufen in den weiter entfernt liegenden Häfen, die durch die Strategieänderungen jetzt zum Umladeplatz wurden, nicht vertraut. In der Folge verlängerten sich die Transitzeiten und es wurden sogar Container am Hafen nicht abgeholt. Wäre jeder Schritt dieser Entscheidung bereits frühzeitig analysiert worden, hätten sowohl der Engpass als auch die sich daraus ergebenden Verzögerungen vermieden werden können .“

Um die Auswirkungen von Engpässen in der Supply Chain zu verringern, empfiehlt Flexport Folgendes:

  • Überprüfen Sie regelmäßig sowohl den Gesamtkontext als auch die einzelnen Bereiche Ihre Supply Chain: Konzentrieren Sie sich zunächst auf die Probleme, die dringend behoben werden müssen und überlegen Sie gleichzeitig, wie sich diese auf Ihre gesamte Supply Chain sowie auf Ihr Unternehmen als Ganzes auswirken.
  • Halten Sie die Augen offen: Besorgen Sie sich genau die Daten, die es Ihnen ermöglichen, auf eventuelle Schwierigkeiten schnell reagieren zu können. Nur eine unmittelbare Reaktion kann verhindern, dass sich kleinere Störungen zu ausgewachsenen Engpässen entwickeln.

Sie möchten unseren eGuide lieber später lesen? Hier finden Sie die PDF zum Download.

Tipp 3: Konzentrieren Sie sich wieder auf Ihr Kerngeschäft

Da der aktuell Markt sehr volatil ist, können Expansionen in neue Bereiche besonders herausfordernd sein. Besonders herausfordernd ist dabei, die richtige Balance zwischen taktischem Vorgehen, der Bewältigung der chaotischen Situation der letzten Monate sowie dem Tagesgeschäft zu finden. Um nachhaltiges Wachstum und Erfolg zu erzielen, dürfen strategische Änderungen in der Supply Chain jedoch nicht völlig vernachlässigt werden. Bereiten Sie sich darauf vor, jederzeit einen Richtungswechsel vornehmen zu können, sobald sich der Markt wieder beruhigt.

Barber erläutert:

„Das Schlimmste, was man in dieser Situation tun kann, ist nichts zu tun, die Mängel zu beschönigen und mit ‚Business as usual‘ weiterzumachen. Wir beobachten dass Unternehmen sehr zurückhaltend mit festen und langfristigen Verträgen sind. Das sollte Sie aber nicht davon abhalten, Ihrer Supply Chain kritisch zu hinterfragen und Optimierungen umzusetzen. Überdenken Sie, worin Ihr Kerngeschäft besteht und stellen Sie sicher, dass Ihr Logistikpartner Sie bei der Erreichung Ihre aktuellen Ziele und Erwartungen unterstützt.“

Wenn das operative Geschäft wieder auf ein normales Niveau zurückkehrt, sollten Sie Folgendes berücksichtigen:

  • Implementieren Sie ein strategisches Lieferantenmanagement
  • Rationalisieren Sie Ihre Zuliefererstruktur
  • Nutzen Sie Tools und Technologien für eine agile Entscheidungsfindung

Fazit

Eine widerstandsfähige Supply Chain ermöglicht es Ihnen, schneller auf sich verändernde Marktbedingungen zu reagieren:

  1. Brechen Sie die Entscheidungsprozesse innerhalb Ihrer Lieferkette auf.
  2. Prüfen Sie sorgfältig mögliche Engpässe in Ihrer Supply Chain.
  3. Konzentrieren Sie sich auf Ihr Kerngeschäft, bei gleichzeitiger Offenheit für neue Chancen und Umsatzpotenziale.

Heute können Supply Chains auf Grund der Erfahrungen des letzten Jahres häufig schneller auf Veränderungen reagieren – darüber hinaus zeichnet sich ab, dass Störungen in der Lieferkette im Jahr 2021 zurückgehen. Um auf mögliche Verzögerungen, zusätzliche Kosten und anderweitige Probleme jederzeit reagieren zu können, sollten Sie jeden Schritt, Bereich und Partner in Ihrer Lieferkette einzeln betrachten, in jeder Phase die richtigen Informationen sammeln und so soviel Flexibilität wie möglich schaffen.

Der beste Weg, sich auf einem unvorhersehbaren Markt zu orientieren und die damit einhergehenden Herausforderungen zu meistern, ist eine sorgfältige Vorbereitung.

Hier finden Sie weiterführende Informationen zum diesem Thema:

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