02.08.2021

Business in Südostasien – Chancen und Herausforderungen im Ländervergleich

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Größere Supply-Chain-Störungen können immer auftreten. Und das nicht nur an einem einzelnen Ort, sondern auch weltweit, wenn man an die Auswirkungen der Coronapandemie denkt. Ganze Geschäftsmodelle wurden infrage gestellt und Unternehmen überarbeiten folglich ihre Supply Chains. Für manche bedeutet das, dass sie ihre Herstellung diversifizieren.

Dieser Leitfaden führt Sie durch die verschiedenen Möglichkeiten, wie Sie in Südostasien Ihre Produktionskosten, Zollabwicklung, Logistikprozesse und Risiken optimieren können.

Darum ist eine Diversifizierung der Bezugsquellen wichtig

Vor einem Jahrzehnt wäre es für die Zusammenarbeit mit einem neuen Lieferanten ausreichend gewesen, kostengünstig produzieren zu können.

Mittlerweile hat die Pandemie nicht nur eine rasante Nachfrage nach Konsumgütern ausgelöst, sondern auch zu Einschränkungen bei Logistikprozessen und der Verfügbarkeit von Personal geführt.

Transportkapazitäten stehen unter extremem Druck und Handelskriege verschärfen die Lage mancherorts. Die Welt ist komplizierter geworden.

Durch die enormen Veränderungen haben einige Unternehmen mit Kosten, Geschwindigkeit und Kontinuität zu kämpfen. Um zu überleben, müssen sie sich anpassen – das könnte bedeuten, mit neuen Lieferanten an neuen Standorten zusammenzuarbeiten.

Den größten Nutzen finden Unternehmen meist noch immer in China, nördlich der hier betrachteten Länder. Die Supply Chains in China sind hoch entwickelt; zudem stehen sowohl potenziell erforderliches Equipment als auch Arbeitskräfte zur Verfügung. Für Importeure ist China eine mit wenig Aufwand verbundene Wahl.

China hat außerdem einen großen inländischen Verbrauchermarkt. Wenn Ihr Unternehmen also China Ware verkauft, bietet es sich an, auch dort zu produzieren.

Die aktuellen Trends könnten aber auch darauf hinweisen, dass eine zwischen China und südostasiatischen Ländern aufgeteilte Beschaffung die bessere Entscheidung sein kann.

Auf diese sogenannte China+1-Strategie mit Diversifizierung auf der Makroebene setzen Unternehmen seit einigen Jahren; in den USA verstärkten 2018 die zusätzlichen Kosten von Zöllen auf chinesische Waren den Trend.

Durch die längerfristigen Auswirkungen der Coronapandemie könnte sich der Diversifizierungstrend noch einmal beschleunigen.

Die einzelnen Länder im Überblick

Jedes Land in Südostasien weist eigene Besonderheiten in den Supply Chains auf. Ausgehend von wirtschaftlichen Indikatoren, die auch die anhaltenden Auswirkungen der Coronapandemie einbeziehen, können Sie Ihre Möglichkeiten eingrenzen.

Vietnam

Nach Jahrzehnten der Schuh- und Bekleidungsproduktion steigt Vietnam aktuell schnell in komplexere Bereiche der Wertschöpfungskette auf, etwa Möbel und Elektronik.

Zum Teil ist diese Entwicklung das Ergebnis der Diversifizierung infolge des Handelskriegs zwischen den USA und China. Von 2018 bis 2020 haben sich die Exporte des Landes in die USA fast verdoppelt. Im Jahr 2020 stieg die Produktion weiter an; zudem hatte man in Vietnam eine der weltweit besten Reaktionen auf die Coronapandemie. Die Ausfuhren fielen nur einen Monat unter das Niveau vom Januar 2020.

Schlüsselbranchen: Elektronik, Schuhe und Bekleidung, Automobil, Spielzeug und andere kleine Konsumgüter, Maschinen und Geräte, Nahrungsmittel und Getränke, Möbel

Vorteile: Günstige Arbeitskräfte, niedrige Grundstücks- und Baukosten, etablierte Freihandelszonen und Industrieparks, Steuererleichterungen und andere staatliche Anreize, Nähe zu anderen Zulieferern

Herausforderungen: Die aktuell mangelnde Containerverfügbarkeit. Die Nachfrage nach Schiffscontainern ist weltweit sehr hoch, und in Vietnam stellt sich die Lage schlechter dar als in anderen Ländern der Region. Da die Transportinfrastruktur dort von geringer Qualität ist, könnten der Containermangel und das komplexe Routing die Logistik verlangsamen.

Thailand

Größere regionale Supply Chains in der Elektronik- und Automobilindustrie wurden aufgrund der niedrigen Arbeitskosten nach Thailand verlagert. Auch Schuhe und Bekleidung werden im Land produziert.

Exporte befinden sich derzeit auf Wachstumskurs, künftig reicht die vorhandene Infrastruktur dafür aber möglicherweise nicht mehr aus.

Schlüsselbranchen: Elektronik, Bekleidung und Schuhe, Automobil, Spielzeug und andere kleine Konsumgüter, Chemikalien und Arzneimittel, Maschinen und Geräte, Möbel

Vorteile: Hochqualifizierte Arbeitskräfte, etablierte Freihandelszonen und Industrieparks, hochwertige Transportinfrastruktur

Herausforderungen: Trotz anfänglicher Erfolge bei der Eindämmung der Coronapandemie geriet das Exportwachstum 2020 durch Veränderungen der Transportmodi ins Stocken. Der Rückgang des Passagierflugverkehrs nach Thailand schränkte auch die Kapazität für Luftfracht stark ein. Anschließend erschwerte auch der Fokus des Seefrachtverkehrs auf chinesische Häfen den Export weiter.

Malaysia

Aus Malaysia wird viel Elektronik exportiert, das Land hat aber auch einen starken Öl- und Gassektor und produziert gefragte Agrarrohstoffe wie Palmöl und Kautschuk.

Nach den anfänglichen Erfolgen bei der Eindämmung der Coronapandemie erreichte Malaysia im Juli 2020 wieder das Exportniveau vom Januar desselben Jahres, seitdem ist das Exportwachstum aber ungleichmäßig.

Angesichts des Anstiegs der Coronafälle im Jahr 2021 ist eine Eindämmung weiterer Ausbrüche wichtig, um die Produktivität des verarbeitenden Gewerbes und das Exportwachstum aufrechtzuerhalten.

Schlüsselbranchen: Elektronik, Bekleidung und Schuhe, Automobil, Spielzeug und andere kleine Konsumgüter, Chemikalien und Arzneimittel, Maschinen und Geräte, Nahrungsmittel und Getränke, Möbel, Kautschuk, Öl und Gas

Vorteile: Etablierte Freihandelszonen und Industrieparks, Steuererleichterungen und andere staatliche Anreize, günstige Schifffahrtswege

Herausforderungen: Aufgrund der verringerten See- und Luftfrachtkapazität mussten einige Lieferanten auf komplexe Landtransportrouten ausweichen, um Waren über Häfen mit ausreichender Kapazität verschiffen zu können.

In Malaysia sind unter Umständen auch komplizierte staatliche Vorschriften und Verfahren einzuhalten.

Indonesien

Indonesien exportiert schon seit Langem Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse. In letzter Zeit ist aber auch das verarbeitende Gewerbe wichtig geworden, wobei der Schwerpunkt vor allem auf arbeitsintensiven Prozessen mit niedrigem Technologieniveau liegt.

Die Exporte des Landes verlangsamten sich im Jahr 2020, stiegen aber bis September wieder auf das Januar-Niveau und wachsen seitdem weiter.

Schlüsselbranchen: Elektronik, Bekleidung und Schuhe, Automobil, Spielzeug und andere kleine Konsumgüter, Chemikalien und Arzneimittel, Maschinen und Geräte, Nahrungsmittel und Getränke, Möbel, Kosmetik

Vorteile: Niedrige Grundstücks- und Baukosten, etablierte Freihandelszonen/Industrieparks, hochwertige Transportinfrastruktur, Steuererleichterungen und andere staatliche Anreize

Herausforderungen: Indonesien besteht zwar aus über 17.000 Inseln, hat aber nur 11 Containerhäfen, was die Logistik potenziell schwierig und teuer macht. Eine zusätzliche Komplexität für Supply Chains ergibt sich aus hohen Steuern sowie komplizierten staatlichen Vorschriften und Verfahren.

Philippinen

Die Philippinen sind ein wichtiger Akteur in der regionalen Elektronik-Supply-Chain in Asien. Mehr als die Hälfte der gesamten Exporte des Landes entfallen auf Elektronik.

Die Philippinen waren 2020 stärker von der Coronapandemie betroffen als einige andere Länder in Südostasien. Im September erreichten die Exporte wieder das Niveau vom Januar, seither ist das Wachstum aber ungleichmäßig.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für 2021 allerdings eine wirtschaftliche Erholung, sodass ein höheres Wachstum wieder erreicht werden dürfte.

Schlüsselbranchen: Elektronik, Bekleidung und Schuhe, Spielzeug und andere kleine Konsumgüter, Maschinen und Geräte, Möbel

Vorteile: Hochqualifizierte Arbeitskräfte, etablierte Freihandelszonen und Industrieparks, geografische Nähe zu anderen Lieferanten

Herausforderungen: Als Inselstaat sind die Philippinen besonders vom Rückgang des Passagierflugverkehrs und durch den Fokus des Seefrachtverkehrs auf China betroffen.

Grundstücks- und Baukosten können hoch sein – ebenso die Steuern. Komplizierte staatliche Vorschriften und Verfahren bringen eventuell zusätzliche Komplexität für Supply Chains.

Singapur

Das kleine, dicht bevölkerte Land hat einen dynamischen Fertigungssektor mit Spezialisierung auf High-Tech-Produktionsprozesse.

Eine frühe Coronawelle hat die Exporte stark beeinträchtigt; erst im März 2021 wurde wieder das Niveau von Januar 2020 erreicht. Der IWF geht für den weiteren Verlauf des Jahres aber von einem hohem Wachstum aus.

Im Moment ist Singapur eine beliebte Wahl für Zweigstellen und länderübergreifende Asien-Zentralen. Das Land könnte noch attraktiver werden, da Unternehmen ihre regionale Präsenz angesichts der politischen Instabilität in Hongkong überdenken.

Auch als Drehscheibe für den See- und Luftverkehr wird Singapur immer wichtiger.

Schlüsselbranchen: Elektronik, Bekleidung und Schuhe, Automobil, Spielzeug und andere kleine Konsumgüter, Chemikalien und Arzneimittel, Maschinen und Geräte, Nahrungsmittel und Getränke, Möbel

Vorteiile: Hochqualifizierte Arbeitskräfte, etablierte Freihandelszonen und Industrieparks, hochwertige Transportinfrastruktur, günstige Schifffahrtswege

Herausforderungen: Die Arbeits-, Grundstücks- und Baukosten können in Singapur hoch sein. Der Standort ist weit von anderen Lieferanten entfernt.


Eine umfassende Analyse der Wirtschaftsdaten und Handelspolitik rund um Supply Chains in Südostasien sowie die Ergebnisse einer neuen Flexport-Studie zu diesem Thema bietet das Webinar Business in Südostasien – die On-Demand Version ist ab sofort verfügbar.

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